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One Review: Gravel im Test - Trotz Navi verfahren!

Dieses Thema im Forum "(P)reviews" wurde erstellt von Bull, 2. Apr. 2018.

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  1. OnePS4 Gravel
    Racing 2017-02-27 Milestone Milestone Jetzt bestellen

    Gravel? Gravel. Rein vom Namen her lässt sich nicht unbedingt sofort auf ein Rennspiel schließen. Zumindest ging es mir so. Als dann noch Milestone als Entwickler im Text der Beschreibung auftauchte, ging meine Motivation, den Titel überhaupt anzurühren, schlagartig in den Keller. Schließlich ist Milestone nicht gerade das, was man umgangssprachlich einen AAA-Developer nennt. Die Italiener machten in der Vergangenheit mit bestenfalls Durchschnittskost in Form ihrer MotoGP-, Motocross-, Superbike- und WRC-Serien auf sich aufmerksam. Gravel basiert auf der Unreal 4 Engine, das lässt auf jeden Fall hoffen. Ob sich meine Befürchtungen bestätigen, oder ob es Milestone tatsächlich gelungen ist, einen Rennspiel-Kracher zu präsentieren, erfahrt ihr in unserem Test zu Gravel.

    Irgendwie, mit Ausnahme von Gran Turismo, scheinen Rockmusik und Rennspiele untrennbar miteinander verbunden zu sein. So verwundert es nicht, das uns Gravel ebenfalls mit rockiger Musikuntermalung begrüßt. Bereits im Intro wird allerdings unmissverständlich klar, das man bei Milestone die Power der Unreal 4 Engine zumindest grafisch nicht bis aufs äußerste ausreizt. Aber dazu später mehr.

    Direkt nach dem Start legen wir unser Fahrerprofil an und starten direkt bei den Off-Road Masters, dem Karrieremodus von Gravel. Begleitet werden wir dabei vom Gravel-Channel. Die Karriere wird im Stil einer Live-TV Sendung präsentiert, was recht solide inszeniert wirkt. Das ist zwar noch immer kein Erlebnis, aber auf jeden Fall besser als in vielen Karrieren anderer, namhafter Softwareschmieden. Der gute Sprecher sorgt gerade zu Beginn für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Im Laufe der einzelnen Etappen auf unserem Weg zum Off-Road Master wird es aber zunehmend langweilig, da bei der Präsentation der Rennen die Abwechslung fehlt. Da man den guten Mann überspringen kann, ist das aber alles kein Problem.

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    Bereits am Anfang unserer noch jungen Karriere werden wir mit dem Thema kostenpflichtige Zusatzinhalte konfrontiert.

    Der Weg zum Off-Road Master führt über viele kleinere Serien. Die Serien einer Veranstaltung bestehen aus mehreren Rennen, für deren erfolgreiches Absolvieren wir Sterne erhalten. Wir müssen also nicht zwingend alle Rennen einer Serie bestreiten um vorwärts zu kommen. Veteranen der Dirt- oder Motorstorm-Serien dürfte diese Art des Karrierefortschritts reichlich bekannt vorkommen. Nach einiger dieser Serien wartet ein Master auf uns, den wir im Kopf-an-Kopf Duell über mehrere Rennen zwingend schlagen müssen. Dieser Zwischensieg und die gesammelte Anzahl an Sternen bringt uns nämlich in der Karriere vorwärts und näher an den begehrten Titel des Off-Road Masters. Ob es sich bei den "Zwischengegnern" um reale oder erfundene Persönlichkeiten handelt, kann ich nicht sagen. Der erste auf den wir treffen, ist Scott Parker. Wikipedia kennt Scott Parker zumindest mal nicht als Rennfahrer.

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    Für das Weiterkommen in der Karriere müssen wir eine vorgegebene Anzahl an Sternen erreicht, und die entsprechenden Zwischengegner besiegt haben.

    Für jede dieser Veranstaltungen gibt uns das Spiel die Fahrzeugklasse vor. Innerhalb der Fahrzeugklasse können wir aus mehreren der insgesamt 48 Fahrzeugen wählen. Zu Beginn müssen wir uns leider mit der Standardvorgabe der Autos begnügen, da wir sämtliche Autos erst nach und nach freispielen müssen. Wie schnell wir die Autos bekommen, hängt wiederum von unseren Erfolgen auf der Strecke ab. Mit dem Sammeln von Sternen und dem Erfahren sogenannter Stilpunkte steigen wir in der Fahrerstufe und schalten nach und nach den gesamten Fuhrpark frei. Eine Ausnahme bilden hierbei die DLC-Fahrzeuge, welche nach dem Erwerb sofort in den jeweiligen Rennen zur Verfügung stehen. Da wir uns um unsere fahrbaren Untersätze nicht sorgen müssen, gibt es auch keine Garage für gesammelte Fahrzeuge.

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    Die Wahl der Fahrzeugklasse bestimmt das Spiel. Wir können aus allen freigespielten Fahrzeugen innerhalb der Klasse wählen.

    Das Spiel konfrontiert uns auch direkt vom Start weg mit dem Thema kostenpflichtige Erweiterungen. So prangert das Ice & Fire Paket für 9,99 EUR bereits auf der ersten Seite der frisch gestarteten Karriere, und zwar direkt an zweiter Stelle der Veranstaltungsübersicht. Man kann die Karriere zwar ohne dieses Paket fortsetzen, aber man hätte die kostenpflichtigen Extras durchaus auch dezenter verpacken können.

    Haben wir uns für eines der Autos entschieden, geht es auf eine der insgesamt 50 Strecken im Spiel. Hört sich viel und abwechslungsreich an? Ist es auch. Die Strecken beziehungsweise die Veranstaltungsorte sind in Gravel nicht nur zahlreich, sondern auch wirklich hübsch anzusehen. Gerade die Stadium-Rennen, wie wir sie in Dirt 4 auch haben, vermitteln eine wirklich tolle Atmosphäre. Ansonsten leistet sich Gravel weder beim Design, noch bei der Auswahl der Veranstaltungsorte grobe Schnitzer. So finden wir uns in verschiedenen Wetterlagen und Tageszeiten an vielerlei Orten in Amerika, Afrika, Australien und Europa wieder. Das Wetter und die Tageszeit wird allerdings vom Spiel festgelegt und kann nicht verändert werden. Abwechslungsreich ist es aber auf alle Fälle.

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    Ein Blick in den spieleeigenen Store gibt uns einen Überblick über kostenlose und kostenpflichtige Inhalte.

    Die Rennveranstaltungen selbst sind in klassische Rundstrecken-, Checkpoint-, Zeit- und Ausscheidungsrennen unterteilt. Der Renntyp ist fest vorgegeben und die Veranstaltungen sind gut durchgemischt, so dass keine Monotonie entsteht. Stilpunkte in den Rennen sammeln wir durch allerlei Sachen, wie Drifts, Sprünge oder Hochgeschwindigkeitsfahrten. Schaffen wir es, geschickt zu kombinieren, steigt der Multiplikator. Kommt es zum Crash, sind alle gesammelten Punkte futsch. Das kommt euch bekannt vor? Aber sicher, Forza Horizon lässt grüßen. Wenn wir schon beim vergleichen sind, wird man unweigerlich über die Rallycross-Strecke Loheac in Frankreich stoßen. Diese Strecke ist exakt die selbe, wie auch in Dirt 4, mit dem Unterschied, das sie in Dirt 4 um Längen besser gestaltet ist, als in Gravel.
    Vor jedem Rennen haben wir neben der Übersicht der Veranstaltung, unseren Zielen auch die Möglichkeit unser gewähltes Fahrzeug zu tunen und auf die Strecke abzustimmen. Die Einstellungen sind dabei sehr umfangreich und betreffen sämtliche Bereich des Fahrzeugs vom Fahrwerk über die Aerodynamik bis hin zu Getriebe und Differenzialeinstellungen. Allerdings dürfte das Setup nur für die Bastelfreaks unter uns von Interesse sein, denn wirklich notwendig für das Rennen ist es nicht wirklich.

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    Die Fahrzeuge können nach Lust und Laune an die jeweiligen Strecken angepasst werden. Wirklich notwendig ist das aber nicht.

    Während die Strecken und die Effekte durchaus sehenswert sind und hübsch modelliert daher kommen, wurden scheinbar die Autos irgendwie vergessen oder zumindest stiefmütterlich behandelt. Ich habe bei weitem keinen Detailgrad wie in Forza Motorsport oder Gran Turismo Sport erwartet und die Autos sehen auch nicht hässlich aus, aber irgendwie wirken sie altbacken, blass modelliert und recht leer, dadurch teilweise sogar wie Fremdkörper im Spiel. Das ist unverständlich, weil zum einen die Unreal 4 Engine doch sehr viel mehr Potenzial bietet und zum anderen die Strecken im Spiel das ganze Gegenteil bieten.

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    Vor jedem einzelnen Rennen bekommen wir einen Überblick über die Umgebung, die Art des Rennens und die Ziele.

    Auf der Piste selbst erwartet uns ein herrlich arcadiges Fahrmodell. Simulationsfreunde werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber Gravel will auch keine Simulation sein. Selbst mit deaktivierten Fahrhilfen ist Pedal to the Metal der Weg an die Spitze. Fahrdynamisch spürt man lediglich den Unterschied der verschiedenen Fahrbahnbeläge und mit gutem Willen noch die verschiedenen Antriebskonzepte. Diese aber nur rudimentär. Es gibt keinerlei Regeln und Strafen, es kann also nach Herzenslust gerempelt und geschoben und geschubst werden um die Ziele der jeweiligen Veranstaltung zu erreichen. Die Rennen sind dabei recht kurzweilig. Die KI hält sich bei all den Rempeleien vornehm zurück und teilt nur selten aus. Meist fährt sie brav hintereinander her und leistet beim unsanften Überholen kaum oder keine Gegenwehr. Das ist für das eigene Vorankommen zwar unglaublich förderlich, nimmt aber etwas Action aus der gesamten Veranstaltung. Denn oftmals ist man auf Platz 1 vorgefahren und hat keinerlei Mühe diesen Platz bis zur Zielflagge zu halten. Die defensive Fahrweise der KI sorgt auch dafür, das sie selbst nicht all zu viele Fehler macht. Es kommt zwar vor, das ein KI-Mitstreiter in der Streckenbegrenzung landet oder sich zwei Kameraden beim Positionskampf abschießen, aber das ist eher die Ausnahme. Hier hätte etwas mehr Aggressivität durchaus gut getan. Sollte man sich doch einmal in der Streckenbegrenzung wiederfinden, kann man dank Rückspulfunktion einige Sekunden zurückdrehen und so den ein oder anderen Fehler korrigieren, ohne das Rennen gleich neu starten zu müssen.

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    Während die Umgebung recht hübsch anzusehen ist, wurde den Autos offensichtlich nicht all zuviel Liebe geschenkt.

    Abseits vom Fahrmodell wirkt Gravel blass und altbacken. Das Schadensmodell ist selbst oder gerade für einen Arcade-Racer nicht auf der Höhe der Zeit. Wenn man sich schon ungestraft durchs Fahrerfeld rempeln darf, dann kann man bitteschön das Resultat auch optisch darstellen. So bleiben selbst größere Kollisionen optisch meist ohne Folgen. Bis auf einen Knick hier, eine Delle da und den verschmutzen Lack gibt es nichts spektakuläres zu sehen. Mechanisch sieht es noch viel düsterer aus. Trotz vollem Schaden in den Optionen ist der mechanische Schaden kaum wahrnehmbar. Zwar geht nach einigen Kollisionen die Motorcheck-Lampe an, aber wie beim heimischen PKW oftmals der Fall, fährt auch unser Renner nahezu ohne Leistungsverlust weiter. So fährt man trotz rüder Fahrweise ohne durchschlagende Federung, einseitig ziehende Bremsen, Platten oder wirr schaltendes Getriebe gefahrlos zum Sieg. Das konnte sogar das olle WRC 5 sehr viel besser. Der Fotomodus im Spiel ist wiederum gelungen. Man kann sowohl beim pausieren, als auch aus der Wiederholung heraus jederzeit die Kamera frei positionieren und dann mit Hilfe von verschiedenen Filtern und Einstellungen ganz passable Schnappschüsse erstellen.

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    Der Fotomodus ist zwar etwas fummelig zu bedienen, aber mit ein paar Handgriffen entstehen hübsch stilisierte Bilder.

    Auch technisch ist Gravel nicht ganz auf der Höhe der Zeit, denn trotz Xbox One X oder PS4 Pro kommt es gelegentlich zu nervigen Einbrüchen der Framerate. Die Motorengeräusche klingen gut, aber auch hier gibt es besseres bei den Mitbewerbern. Gravel bietet eine lange Liste an unterstützten Lenkrädern, aber zwingend notwendig sind sie nicht, denn dank der arcadigen Fahrphysik lässt sich Gravel sehr gut mit dem Controller steuern. Das Force Feedback des Controllers lässt allerdings zu Wünschen übrig, denn außer einem leichten brummen kommt nicht viel. Das Force Fedback in den Triggern des Xbox Controllers wird ebenfalls nicht unterstützt.

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    Die Wettereffekte in Gravel gehören den besseren ihrer Art. Trotz reinem Arcade merkt man wohl, das es nass und rutschig ist.

    Neben dem Karrieremodus bietet Gravel zusätzlich noch die Spielmodi Zeitfahren, Freies Rennen, eine wöchentliche Herausforderung sowie einen Mehrspieler-Modus via Xbox Live oder PlayStation Network.
    Zum Zeitfahren selbst muss man keine Worte verlieren und auch der Rest ist leider schnell erzählt. Im freien Rennen können wir Strecke, Fahrzeug und Typ festlegen und so mit dem Lieblingsauto auf der bevorzugten Strecke fahren. Allerdings können wir nicht von Beginn an aus dem vollen schöpfen, sondern müssen uns mit dem begnügen, was wir bis dato freigespielt haben. Die wöchentliche Herausforderung besteht darin, mit vorgegebenem Fahrzeug auf vorgegebener Strecke eine Zielzeit zu unterbieten. Die Zeit ist dabei herausfordernd, aber nicht unschlagbar.

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    Neben der Karriere bietet Gravel noch weitere Spielmodi. Schade das im öffentlichen Multiplayer sechs Wochen nach Release bereits tote Hose ist.

    Zum Multiplayer würde ich gern mehr schreiben, allerdings blieb die Spielersuche, welch Überraschung, leider erfolglos. Selbst das erstellen einer eigenen Lobby habe ich nicht auf die Reihe bekommen. Es war zwar möglich eine Lobby zu erstellen, aber weder konnte die Lobby öffentlich gestellt werden, noch überhaupt gestartet werden. Normalerweise würde ich sagen, hier besteht Verbesserungsbedarf, allerdings, wenn man sich in Erinnerung ruft, von wem das Spiel kommt, dann wird sich hier vermutlich wenig bis gar nichts tun. Leider.

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    Platz 1, Sieg! Aber nur für uns. Für das Spiel Gravel reicht es trotz einiger guten Ansätze leider nur für das hintere Mittelfeld.


    Fazit

    Um auf meine Einleitung zurück zu kommen: Kracher oder doch wieder nur gewohnte Milestone-Durchschnittskost? Leider letzeres. Gravel bedient sich nach Herzenslust von Spielen wie Motorstorm, Dirt oder Forza Horizon, ohne jeweils deren Klasse auch nur ansatzweise zu erreichen. Spieler dieser Spiele werden Gravel sehr wahrscheinlich und leider zurecht keines Blickes würdigen. Zu groß ist der technische Rückstand zu den jeweiligen Genre-Königen. Die ergebnislose Spielersuche sechs Wochen nach Release spricht hier ebenfalls eine deutliche Sprache. Aber es ist bei weitem auch nicht so schlecht, wie ich eingangs noch befürchtet habe, denn gute Ansätze sind durchaus vorhanden. Die Atmosphäre der Stadium Truck Rennen ist richtig gut gelungen und für alle Spieler, die mal eben schnell und zwanglos eine oder zwei Runden durch die Botanik düsen wollen, bietet Gravel ein herrlich arcadiges Fahrgefühl mit stimmungsvollen und abwechslungsreichen Austragungsorten. Die Gamepad-Steuerung ist ebenfalls gut gelungen. Wenn ihr euch zu diesen Gelegenheitsspielern zählt, dann dürft ihr spätestens zum Budgetpreis zugreifen. Aber um ganz vorn mitzumischen, dafür reicht es nicht. Trotz richtig gutem Navi hat sich Gravel leider verfahren.

    6
    • herrlich arcadiges Fahrgefühl
    • solide Inszenierung der Karriere
    • hübsche und abwechslungsreiche Austragungsorte
    • gute Gamepad-Steuerung
    • grafisch altbacken, besonders die Autos
    • technisch hinter der Konkurrenz zurück
    • Multiplayer quasi nicht existent
    • Schadensmodell
    • wenig herausfordernd
    • kurze Karriere
     
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